Paulson Peters

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Das Durcheinander am Berliner Hauptbahnhof sieht Abigail noch genau vor sich, sagt sie: Das Gedränge an den Gleisen, die freiwilligen Helfer in grellen Warnwesten, die im Februar und März täglich Tausende Menschen wie sie zwischen Thermoskannen und Babywindeln hin und her dirigierten. – Auftakt in ein neues Leben fernab russischer Panzer, immer den Aufstellern mit kyrillischer Schrift und den blau-gelben Flaggen am Willkommensbahnhof folgend. „Ich habe mich sofort in Berlin verliebt“, sagt Abigail. Rund sechs Monate nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof, der zum Symbol für die Solidarität der Europäischen Union mit der Ukraine wurde, scheint diese Liebe einseitig geworden zu sein – und der Bahnhof zu Abigails Endstation in Deutschland.

Seit einer Woche schlafe Abigail, die eigentlich anders heißt, mit drei weiteren Ukraineflüchtlingen im Bahnhofs-Parkhaus, bis die Wachen kommen, um die Gestrandeten Nacht für Nacht in den Wartebereich im ersten Untergeschoss zu schicken. Dort krieche die Kälte durch jede Ritze und Abigails dünne Jacke. Die 24-Jährige warte dann auf die aufgehende Sonne und auf die ersten Pendler, die sie nach Kleingeld für eine heiße Schokolade anschnorren kann. So erzählt sie es Mitte September in der nahen Shopping-Mall Alexa.

Längst wollten die vier Freunde wieder im Hörsaal sitzen. In der Ukraine zählten sie zu den rund 77.000 internationalen Studierenden, die oft vieler Hürden zum Trotz ins Land gekommen waren, um irgendwann den Abschluss einer europäischen Universität in den Händen zu halten. In der westukrainischen Grenzstadt Uschgorod studierte Abigail nach eigenen Angaben im zweiten Jahr Medizin, wollte nach ihrem Studium in ihrem südafrikanischen Geburtsland Zimbabwe als Kardiologin arbeiten. Ihr absoluter Traumjob. Dann griff Russland die Ukraine an.

Einige Tausende Drittstaatler aus der Ukraine versuchen seither ihr Studium in der Europäischen Union und Deutschland fortzusetzen. Doch statt Pauken und Mensa drohen viele mittlerweile in die Illegalität abzurutschen und in ihre Herkunftsländer abgeschoben zu werden. „Ich werde behandelt, es hätte ich Wladimir Putin persönlich gebeten, die Ukraine zu bombardieren,“ sagt Abigail. Von Ämtern und Aufnahmeeinrichtungen fühlt sie sich diskriminiert: „Weil ich schwarz bin“, sagt sie.

Dabei hatte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen im März gesagt: „Alle, die vor Putins Bomben fliehen, sind in Europa willkommen.“ Damals hatte die EU erstmals die sogenannte Massenzustrom-Richtlinie aktiviert. Laut ihr sollen Vertriebene unbürokratisch vorübergehenden Schutz in der EU erhalten, ganz ohne langwierigen Asylprozess. Menschenrechtsorganisationen applaudierten. DER SPIEGEL und seine europäischen Partner von Lighthouse Reports konnte jedoch Dokumente einsehen, die belegen, wie Drittstaatlern aus der Ukraine dieser Schutz bewusst erschwert wird.

Das mit der Ungleichbehandlung von Ukrainern und Nicht-Ukrainern habe sie bereits während ihrer ersten Tage in Deutschland gespürt, sagt Abigail. Nach ihrer Flucht über Ungarn und Österreich sei sie in Berlin für eine Weile in einer WG untergekommen. Ihre Versuche, eine dauerhafte Bleibe in einer Flüchtlingsunterkunft oder einer anderen Einrichtung zu finden, seien hingegen gescheitert. Mit dem Neun-Euro-Ticket sei Abigail in sechs deutsche Städte gereist, nur um immer wieder dieselbe Antwort zu bekommen: kein Platz, sie solle es woanders versuchen.

Schließlich habe ihr eine Hilfsorganisation eine vierköpfige Gastfamilie in Heidelberg vermittelt. Aber das anfängliche zur Ruhe kommen kippte in Unbehagen, bald habe Abigail sich kaum mehr aus ihrem Zimmer getraut. „Ich dufte erst essen, nachdem sie fertig waren“, sagt sie. Vom Versprechen, Abigail beim Papierkram und der Jobsuche zu helfen, sei bald keine Rede mehr gewesen. Stattdessen bot die Gastfamilie Abigail an, den Rasen im Garten zu mähen und die Hecke zu schneiden. Für zwei Tage Arbeit habe sie 100 Euro bekommen, abzüglich zehn Euro für ein Kabel, dass Abigail bei ihrem Einsatz kaputt gemacht habe. Als die Familie Abigail bat, sich während ihres Sommerurlaubs eine andere Bleibe zu suchen, hatte Abigail genug. Nach drei Monaten fuhr sie zurück nach Berlin, wo sie auf Moses trat. Er ist einer der drei Studierenden, mit denen Abigail seither die Nächte am Hauptbahnhof verbringt. Auch der 29-Jährige möchte anonym bleiben.

Eigentlich habe Moses in den USA studieren wollen. Aber der lange Visumsprozess schreckte den Nigerianer aus Lagos ab. In der Ukraine zahlen internationale Studierende Semesterbeiträge von 3000 – 5000 Dollar im Jahr, viel weniger als an amerikanischen oder britischen Universitäten bei günstigeren Mieten und Lebensmitteln. Eine Bekannte, die bereits in der Ukraine studierte, habe Moses auf eine Agentur aufmerksam gemacht, die Studienplätze in das osteuropäische Land vermitteln. Viele der drei Dutzend Studierende, mit denen DER SPIEGEL und seine Partner gesprochen haben, sind mittels solcher Agenturen in die Ukraine gereist. „Ich sage es nicht gern, aber die haben uns abgezogen“, sagt Moses.

Allein für den Einladungsbrief der Universität zur Visumsbeantragung habe Moses seinem Agenten 500 US-Dollar gezahlt. Als er im Januar 2022 in Dnipro ankam, um auf Englisch an der Alfred-Nobel-Universität Architektur zu studieren, sei er vom schlechten Sprachniveau der Lehrkräfte geschockt gewesen. Sein Agent habe Moses geraten, einen einjährigen Ukrainisch-Kurs für 2500 Dollar zu belegen. Den besuchte Moses zähneknirschend, bis ihn am 24. Februar das Knallen des Kriegsbeginns aus dem Schlaf riss.

„Ich bin enttäuscht von der Ukraine“, sagt Moses. Die Regierung habe den Druck aus Russland doch spüren müssen. Es sei unverantwortlich gewesen, ahnungslose Studierende aus dem Ausland wie ihn bis zum Kriegsbeginn ins Land zu lassen. Tatsächlich waren internationale Studierende für die Ukraine eine wichtige Einnahmequelle: Laut einer Studie des ukrainischen Bildungs- und Wissenschaftsministerium aus dem Jahr 2020 waren es 542 Millionen Dollar pro Jahr. Dies könnte einer der Gründe dafür sein, dass ukrainische Universitäten laut vielen Studierenden trotz Krieg und gestörter Lehre weiter Semesterbeiträge einfordern und sich weigern, Studiennachweise zu übermitteln.

Studierende wie Abigail und Moses brauchen diese Nachweise jedoch, um ihr Studium außerhalb der Ukraine fortzuführen und ihre Fluchtgeschichte gegenüber Behörden glaubhaft zu machen. Als Moses versuchte, sich bei seiner ersten Station in Deutschland in der niederbayrische Kreisstadt Pfarrkirchen anzumelden, habe ihn die Beamtin gefragt, ob er wirklich aus der Ukraine geflüchtet sei oder ob er den Krieg ausnutze, um sich einen Aufenthaltstitel zu erschleichen. „Seit ich das gehört habe, fürchte ich mich vor weißen Menschen“, sagt Moses.

Weil er sich in Bayern nicht mehr sicher fühlte, habe er wie Abigail versucht, im Ankunftszentrum am Alten Flughafen Berlin-Tegel einem Schlafplatz zu bekommen. Auch er sei wegen Überfüllung immer weitergeschickt, und teilweise dazu gedrängt worden, einen Asylantrag zu stellen. Laut recherchen des SPIEGELS kein Einzelfall. „Die meisten Asylbewerber, die wir getroffen haben, sagten uns: mach es nicht, damit wirfst du deine Zukunft weg“, sagt Moses. Momentan zahlt das Jobcenter ihm und Abigail je 360 Euro pro Monat, nicht genug für ein Zimmer oder eine Wohnung in Berlin.

Wie alle Ukraineflüchtlinge konnten Drittstaatler, die vor dem ### einreisten, bis Ende August visumsfrei in Deutschland bleiben. Seit September brauchen sie einen Aufenthaltstitel, etwa für Studienzwecken – und dafür die Zusage einer Hochschule. Wie schwierig es ist, eine zu bekommen, weiß Paulson Peters genau.

Der 45-jährige Familienvater aus Nigeria hatte nach einem Jahr Sprachkurs gerade sein Master-Studium in Business Administration in Kiew begonnen, als der Krieg ausbrauch und Peters nach Deutschland flüchtete. Seine Wahl fiel auf das thüringische Jena, wo seine Schwägerin in einem Studentenwohnheim lebe, erzählt Peters am Telefon. Weil er dort nicht wohnen durfte, vermittelte die Ausländerbehörde Peters an einem jungen Professor der Friedrich-Schiller-Universität, der Ukraineflüchtlingen ein Zimmer in seinem Haus bereitstellen wollte.

Selbst mithilfe des Professors sei es Peters nicht gelungen, sich an der Universität einzuschreiben. Das Hauptproblem: Für ein Studium in Deutschland müssen Drittstaatler ihre Finanzierung nachweisen, etwa durch ein Stipendium oder ein Sperrkonto mit rund 10.000 Euro. – Viel Geld für Peters, der in der Ukraine neben seinem Studium gearbeitet habe, um Geld an seine drei Kinder in Nigeria zu schicken. Auch sind englischsprachige Studiengänge an deutschen Universitäten nach wie vor Mangelware.

An der Volkshochschule in Jena begann Peters einen Deutschkurs zu belegen, um seine Chancen zu erhöhen. „In meinem Kurs waren drei Ukrainer, die wie ich geflüchtet sind“, sagt Peters. Alle drei hätten mittlerweile einen Studienplatz. Bald brach Peters den Deutschkurs ab, das Geld war ihm ausgegangen. Anfang Juni hatte er eine vorübergehende Arbeitserlaubnis erhalten, damit arbeite er nun im Lager des Onlineversand Amazon in Gera. Andere nicht-europäische Studierende aus der Ukraine, die er kenne, hätten weniger Glück gehabt: „Ich kenne viele, die mittlerweile Gras verticken“, sagt Paulson.

Vom Problem, keinen Zugang zu Universitäten zu erhalten, berichten viele internationale Studierende aus der Ukraine, nicht nur in Deutschland. Viele Hochschulen würden laut Judith Kohlenberger, Migrationsforscherin an der Wirtschaftsuniversität Wien, zwar von Internationalisierung und Diversität sprechen – lebten diese Werte aber nicht vor, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen gehe: „Die Debatte fokussiert nicht auf die Ressourcen dieser Studierenden und den empirisch belegten Mehrwert, den sie den Unis bringen, sondern wird rein defizitär geführt. Ganz so, als ob ihre Immatrikulation an einer europäischen Hochschule eine Almose, ein Akt der Barmherzigkeit seitens der Europäer wäre“, sagt Kohlenberger.

Die viel gelobte EU-Massenzustrom-Richtlinie, die Ukraineflüchtingen temporären Schutz und einen Aufenthaltstitel von mindestens einem Jahr verspricht, sollte den Zugang der Geflüchteten zum Arbeitsmarkt, Bildungswesen und Sozialleistungen eigentlich vereinfachen. Die deutsche Entsprechung der Richtline, Paragraf 24 Aufenthaltsgesetz, gilt theoretisch auch für Nicht-Ukrainer: Für Lebens- und Ehepartner von ukrainischen Staatsbürgern etwa, für Drittstaatler, die bereits in der Ukraine unter Schutz standen und eben für Studierende – insofern sie nicht „sicher und dauerhaft“ in ihre Herkunftsländer zurückkehren können.

## ABSATZ ÜBER EU-LEAK ## @Steffen

„Diese Einschränkung war eine rein politische Entscheidung, die wir damals stark kritisiert haben“, sagt die deutsche EU-Abgeordnete Cornelia Ernst der Partei DIE LINKE: „In der Praxis führte dies dazu, dass Schutzsuchende erster und zweiter Klasse aus der Ukraine flohen – eine inakzeptable Diskriminierung.“

Auch Paulson Peters hat mithilfe des Professors aus Jena versucht, vorübergehenden Schutz nach Paragraf 24 zu bekommen. Laut einer E-Mail der Ausländerbehörde Jena von Ende April, die dem SPIEGEL vorliegt, müsse Peters aber erst nachweisen, dass er nicht nach Nigeria zurückkehren könne. „Wenn man nach dem Bundestaat Imo, aus dem ich komme, googelt, findet man haufenweise Ermordungen und politische Probleme“, sagt Peters. Das habe Paulson der Behörde anschließend dargelegt. Zuvor hatte bereits seine Dokumente aus der Ukraine eingereicht. Trotzdem würde „kein Nachweis vorliegen, dass sich Peters „zum maßgeblichen Zeitpunkt überhaupt in der Ukraine aufhielt“, schreibt die Ausländerbehörde in der E-Mail. Vorübergehenden Schutz hat Peters bis heute nicht.

Aus Angst, auch noch ohne ukrainische Aufenthaltsgenehmigung dazustehen, reiste Peters im August kurz vorm Auslaufen seiner Papiere zurück in die Ukraine. Mit dem Flixbus fuhr er bis nach Ungarn und von dort mit dem Zug bis kurz hinter die Grenze. Selbst dort habe es ab und zu die Sirenen wegen Flugalarm aufgeheult. „Ich musste nochmal durch den ganzen Prozess“, sagt Peters. Inklusive Semester – und Strafgebühr, weil er zu spät dran gewesen sei. Mit den neuen Papieren in der Tasche reiste er aus dem Kriegsgebiet zurück nach Deutschland. Wie lange er hier blieben wird, wisse er noch nicht. Langsam verliere Peters die Geduld, er überlege nach Großbritannien weiterzuziehen.

Seit September sind Drittstaatler aus der Ukraine, die keinen anderweitigen Aufenthaltstitel bekommen haben, nicht in einem Antragsverfahren stecken oder deren Antrag auf Paragraph 24 bereits abgelehnt wurde, ausreisepflichtig.  

Einzig die Länder Bremen, Hamburg und Berlin bieten internationalen Studierenden, die keinen Aufenthalt nach Paragraph 24 bekommen, sechsmonatige Fiktionsbescheinigungen an. Mit dieser Übergangslösung sollen die Studierenden Zeit bekommen, Deutsch zu lernen und zu arbeiten, um so Voraussetzungen für einen längeren Aufenthalt in Deutschland zu schaffen. Auch dafür müssen die Studierenden beweisen, dass sie in der Ukraine auch wirklich zur Uni gegangen sind. Während den Migrationsbehörden aus Berlin und Bremen keine genauen Zahlen vorliegen würden, sind es in Hamburg rund 900 Studierende, die sich auf diese Weise derzeit legal in Deutschland aufhalten können.

„Hamburg hat somit eine Regelung geschaffen, von der sehr viele profitieren und wir sind froh über jede Fachkraft, die wir dadurch womöglich gewinnen können“, heißt es dazu aus dem Hamburger Innensenat auf SPIEGEL-Nachfrage. Doch mit den Fiktionsbescheinigungen, von denen die ersten demnächst ablaufen, seien die rechtlichen Mittel ausgeschöpft. Für eine Verlängerung oder einheitliche Regelung sei der Bund gefragt. Laut Bremer Senat wird die Situation der Drittstaatler aus der Ukraine bei der nächsten Innenministerkonferenz Ende November Thema sein.

Für den #35-jährigen# Sam, der von Nigeria nach Charkiw gereist war, um Crimescene Investigation zu studieren, käme eine Neuregelung für Drittstaatler aus der Ukraine in Deutschlands zu spät. In München hätten Sam Beamte gesagt, dass er ohne ukrainischen Pass oder eine ukrainische Frau keine Chance auf Paragraf 24 habe. Später erhielt er die schriftliche Aufforderung, auszureisen. Der SPIEGEL erreicht per Telefon in Portugal.

Das südeuropäische Land ist das einzige in der EU, das Nicht-Ukrainer und ukrainische Staatsangehörige in punto vorübergehender Schutz gleichstellt. ### noch ausbauen, Zahlen wie viele im Vergleich ###: „Ich habe viel Zeit in Deutschland verschwendet“, sagt Sam. Weil er erst im Juli nach Portugal einreiste und seinen Antrag auf vorübergehenden Schutz somit wesentlich später gestellt habe als andere Ukraineflüchtlinge, sei er nicht sicher, ob er die nötigen Papiere bekomme. Bisher wartet Sam auf Antwort von den Behörden. Halte ihn die Polizei an, zeige er seine ukrainischen Papiere. Noch würde das den Beamten reichen, obwohl er keine Aufenthaltsgenehmigung habe und sich deswegen trotz einer vorläufigen Zusage noch an keiner Universität einschreiben konnte, erzählt er.

„Ich will mein Leben zurück“, sagt Sam. Südlich von Lissabon lebe er in einer Art Safe House für Geflüchtete, Jobs gebe es in dem kleinen Ort nicht. „Hier ist niemanden, mit dem ich reden kann“, sagt Sam. Seine Lage fühle sich ausweglos an.

Unterdessen haben Moses und Abigail vom Berliner Hauptbahnhof Anfang Oktober wieder ein wenig Hoffnung geschöpft. Der SPIEGEL trifft Moses vor der Hamburger Erstaufnahmeeinrichtung für Ukraineflüchtlinge. In der Hauptstadt habe er die Ungewissheit einfach nicht mehr ausgehalten. Es sei einfacher in Hamburg Paragraf 24 oder zumindest eine Fiktionsbescheinigung zu bekommen, habe er gehört. Hier in der Flüchtlingsunterkunft fühle sich Moses wohl. „Die meiste Zeit schlafe ich“, sagt er. Kraft tanken für all die Anträge, die er nun wieder von neuem stellen muss.

In Berlin wartet Abigail noch auf ihren Termin bei der Ausländerbehörde, aber auch sie hat einen Schlafplatz gefunden – in der Erstaufnahme in Tegel. Bei ihrem letzten Versuch sei sie nicht einfach wieder weggeschickt worden, erzählt sie. Viel Zeit hat sie an diesem Tag nicht – sie sei auf dem Weg zu ihrem neuen Job in einem Hotel, sagt sie. Nur Mindestlohn, aber das sei schon okay. Auf ihrem Handy zeigt sie Fotos von WG-Zimmern, auf die sie sich beworben habe – und von ihrem neuen Freund, ein geflüchteter Student aus der Ukraine, den sie in Berlin kennengelernt habe. „Ich will etwas aus mir machen“, sagt Abigail. Ein Medizinstudium an der Berliner Charité, das sei jetzt ihr Ziel.

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